Posts Tagged ‘Kultur’

Haydn, Schnittke, Strauss!

April 19, 2010

In Vorbereitung auf das vorletzte Abokonzert gibt es hier die Solistin Julia Deyneka und den Dirigent Andris Nelsons im Portrait:


Zum Portrait Julia Deyneka


Zum Portait Andris Nelsons


Programm 7. Abo-Konzert:

JOSEPH HAYDN
Sinfonie Nr. 44 e-Moll Hob. I:44 »Trauersinfonie«

ALFRED SCHNITTKE
Violakonzert

RICHARD STRAUSS
»Also sprach Zarathustra«

Kritik aus Frankreich

Februar 12, 2010

Hier können Sie (auf französisch) lesen, wie sich Paris auf die Staatskapelle und Daniel Barenboim vorbereitet und was Le Monde und Le Figaro zu den Konzerten in Paris schreiben:

Ankündigung, Le Figaro

Kritik Konzert 05.02.2010, Le Monde

Kritik Konzert 06.02.2010, Le Figaro

4. Februar – Freier Tag in Paris

Februar 4, 2010

Der erste freie Tag! Und das in so einer charmanten aber auch turbulenten Stadt wie Paris.

Die Kapelle war hier schon unzählige Male. Ich selber war vielleicht schon fünf oder sechs Mal dabei. Ich erlebte hier schöne aber auch nervig häßliche Tage. Die letzten Male, als ich dabei war, wohnten wir an der neuen Opéra Bastille am Place de la Bastille, unweit vom Marais Viertel… Verschlungene kleine Gassen, nette Cafés und Geschäfte. Die Konzerte fanden damals im Théâtre du Châtelet statt.

Diesmal befinden wir uns westlich der Stadtmitte, in der Nähe des Arc de Triomphe. Nicht, daß die Gegend hier häßlich wäre. Aber wenn ich aus meinem Hotelzimmer schaue, sehe ich ein riesiges Hochhaus, dahinter ein paar Kräne und irgendwie zieht es mich nicht unbedingt nach draußen.
Und trotzdem..Ich hatte mal wieder mein Frühstück verpasst und war durch den Lärm, den mein Magen verursachte, gezwungen, mich um etwas Essbares zu kümmern. Zugegeben, die Uhrzeit war schon sehr weit fortgeschritten für ein Frühstück a la francaise, aber richtig Lust hatte ich auch nicht auf Muscheln oder Froschschenkel. Und da ich auf meiner Suche nach Proviant nicht so richtig fündig wurde, musste ich wohl oder übel einen Supermarkt stürmen. Viel fand ich nicht, aber genug um die Geräuschkulisse zu dämpfen. Ich mich in Frankreich befand, also kaufte ich mir ein Baguette, eine typisch französische Salami und Käse.
Auf dem Weg zum Hotel sah ich ca 20 Fahrräder, die man durch ein Freischaltcode benutzen konnte, jedes gesichert an einer Säule. Unser Orchestermanager kam zufällig vorbei und meinte zu mir, was für eine tolle Erfindung das doch wäre. Ja ja, sagte ich, noch schöner wäre es allerdings, wenn man sie nicht durch Paris schieben müsste, da jedes Fahrrad einen Platten hatte…
Nachdem ich mein Essen verschlungen und mich kurz über das Hotel aufgeregt hatte, da man mir den Zugang zu meiner Minibar durch ein Schloss verweigerte, deponierte ich mein Hab und Gut auf dem Fenstersims und machte mich auf den Weg durch die stark parfümierte Lobby, um für diesen Blog ein paar Fotos zu schießen.

Aber irgendwie war heute nicht mein Tag. Die Batterie gab schon bald ihren Geist auf und ich ahnte, daß ich heute wahrscheinlich meinen freien Tag im Bett verbringen sollte. Doch schließlich bekam ich noch einen Anruf von einem Kollegen, der mich fragte, ob ich Lust auf etwas Kultur hätte. So endete mein Tag mit Beethovens Vierter und Siebter vom „Orchestra of the Age of Enlightenment“  im „Théatre des Champs-Elysées“!

Alle Bilder zum Bericht finden sie auch hier!

4. Februar – Sturm auf die Bastille

Februar 4, 2010

Der erste freie Tag – das verführt im vorfrühlingshaften Paris zum Bummel durch Marais mit seinen kleinen Boutiquen und vorzüglichen Restaurants. Nach der tarte tatin klingelt das Handy: Es ist Phillippe Jordan, mit dem die Staatskapelle eine sehr freundschaftliche Beziehung hat, seit er als Assistent von Daniel Barenboim Ende der 90er Jahre nicht nur annähernd das gesamte Repertoire dirigiert, sondern auch viel Kammermusik mit uns Kollegen gemacht hat. Wir hatten uns locker verabredet, schnell bin ich an der Bastille-Oper und  komme unerwartet in den Genuss einer exklusiven Opernführung durch den frischgebackenen Generalmusikdirektor. Er zeigt mir das gigantische Haus, das über 2700 Zuschauern Platz bietet, allein vier Seiten- und eine 1:1 Hinterbühne auf Hauptbühnenniveau hat, darunter noch einmal ebenso viel Platz bietet und auf eine Gesamtfläche 160000 Quadratmetern kommt!! Die Staatsoper mit ihrer nostalgisch-musealen Technik wirkt vor den Dimensionen des Ende der 80er Jahre eröffneten Hauses wie die Gorch Fock im Vergleich zu einem atomgetriebenen Flugzeugträger.

Mit keinem geringeren Werk als Wagners „Ring“ wird Jordan hier seinen Einstand geben, trotzdem hat der vielbeschäftigte Dirigent noch Zeit für einen ausgiebigen Plausch in seinem Büro – bei Sonnenuntergang mit grandiosem Blick über Paris. Morgen wird er in unser Konzert kommen, vielleicht gibt es danach noch Gelegenheit, mit ihm auf die „alten Zeiten“ anzustoßen: Phillippe war an der Staatsoper so beliebt, dass damals die gesamte Belegschaft zu seiner Abschiedsfeier ein selbstgemachtes kaltes Buffet zusammentrug. Und vermutlich ist es nicht ganz auszuschließen, dass auch für unseren „Principal Guest Conductor a.D.“ gilt: „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“ …

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2. Februar – Kammermusik im grossen Rahmen

Februar 2, 2010

Fragen Sie einen Musiker, welche Art von Musik er am liebsten spielt, so ist die Antwort mit großer Wahrscheinlichkeit: Kammermusik. Es ist der direkte Kontakt mit den Mitspielern, die unmittelbare Gestaltungsmöglichkeit, die Eigenverantwortlichkeit, die mögliche Spontaneität, der Dialog, der gemeinsam etwas Großes entstehen lässt. Gute Gründe, die Kammermusik als die am meisten lohnende Musizierweise erscheinen zu lassen. Auch Beethovens Klavierkonzerte kann man in ihrer Anlage als Kammermusik im besten Sinne verstehen: Die Stimmen sind zwischen Solist und Orchesterinstrumenten so eng verwoben, dass sie über weite Strecken als lebendiger Dialog (mit einem „Meinungsführer“ allerdings) erscheinen. Sie ohne Dirigent zu spielen, verstärkt diesen Charakter. Zur Kammermusik gehört Vertrautheit und Vertrauen. Nicht nur zum Stück, sondern auch zwischen den Mitwirkenden, den Partnern. Wenn sich im Konzert der Zustand der Einheit in Ausdruck, Klang und spontanen Ideen einstellt, kann man sich als Musiker nichts Schöneres wünschen. Die Aufführung des 4. Klavierkonzertes in London war ein solcher Moment, der begeisterte Musiker und ein frenetisches Publikum hinterließ.

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1. Februar – Kontaktaufnahme mit dem Publikum

Februar 2, 2010

Eigentlich schade, man spielt vor tausenden von Leuten in unterschiedlichsten Städten und hat doch selten direkten Kontakt mit dem Publikum. Abhilfe können Pre-oder Post-Concert-Lectures mit Gästen schaffen: Eine Art Einführungsvortrag mit Insiderinformationen und besonderen Gästen. In Amerika haben wir teilweise vor mehreren Hundert Zuschauern gesessen, hier in London war es heute eine eher kleine aber feine Runde von vielleicht 80 Zuschauern, die nach dem Konzert noch ins Foyer kamen, wo eine kleine „Talkshow“ mit Staatskapellenmusikern angekündigt war. Nach dem sensationellen vierten Klavierkonzert (selten habe ich solch spontane stehende Ovationen erlebt!) gilt es nun, umzuschalten und sich auf die Vermeidung von Germanisms zu konzentrieren. Im Gegensatz zu meinem Chef, der mühelos von einer zur anderen Sprache wechseln kann (und derer mindestens sechs virtuos beherrscht), dauert es bei mir immer eine Weile, bis ich im Englischen wieder zuhause bin. Doch dank meiner Mitstreiter entwickelt sich schnell ein nettes Gespräch – die Moderatorin macht ihre Sache ganz prima, und Fabian kann nicht nur fantastisch Oboe spielen, sondern ist stets auch ein guter Partner bei Gesprächen. Neben Fragen zu Geschichte und Arbeitsalltag („wie viel haben Sie für den Schönberg heute probiert?“) wird man sehr oft auf den besonderen Klang der Staatskapelle angesprochen. Ein schwer zu konkretisierendes Phänomen, das nur zum Teil damit erklärbar ist, dass viele Kollegen selbst Schüler von Staatskapellenmusikern waren und jetzt wiederum die Spieltradition an die Akademisten weitergeben. Obwohl mit Fabian ein lebendes Beispiel hierfür auf dem Podium sitzt, sind wir uns einig, dass auch Dinge wie gemeinsame Klangvorstellung oder Ideen vom musikalischen Miteinander vor allem vom Chefdirigenten gefördert werden müssen. Mit seinem sehr zitier-tauglichen Bild vom wertvollen antiken Möbel, das man sehr behutsam aufarbeiten muss, trifft da Daniel Barenboim ziemlich ins Schwarze. Auch die Altersstruktur des Publikums ist Gegenstand der Diskussion: Offenkundig hat man sich in London zu diesem Thema schon recht früh Gedanken gemacht und sie so in die Tat umgesetzt, dass wir hier ein erfreulich durchmischtes Publikum aller Altersgruppen haben. Da gibt es in Berlin noch Nachholbedarf, wie man übereinstimmend feststellt. Wie ist der Zugang der Orchestermusiker zu Schönberg, jenem Erfinder der Zwölftonmusik, der selbst davon ausging, dass seine Melodien Ende des 20.Jahrhunderts auf der Straße wie Gassenhauer gepfiffen werden? Wird in Berlin viel neue Musik gespielt? Was ist der Vorteil eines gleichermaßen in Sinfonik wie in Oper beheimateten Orchesters? Wann wurde der Musikkindergarten gegründet und was wird dort gemacht? Zu vielen Punkten könnte man stundenlang erzählen, und die 20 Minuten vergehen wie im Fluge. Ein paar nette Fragesteller belagern uns noch kurz mit Fachlichem, dann geht´s zurück ins Hotel. Moment mal, was habe ich da eben gesummt? Die heute von der Solobratschistin so wunderbar zart gespielte Melodie aus dem zweiten der „fünf Stücke“? Da hat Schönberg am Ende wohl doch recht behalten….

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1. Februar – die ersten Kritiken sind da

Februar 1, 2010

Hier koennen Sie lesen, was Guardian, Times und Evening Standard schreiben:

http://www.guardian.co.uk/music/2010/jan/30/berlin-staatskapelle-barenboim-rfh

http://entertainment.timesonline.co.uk/tol/arts_and_entertainment/music/live_reviews/article7009288.ece

http://www.thisislondon.co.uk/music/review-23800979-daniel-barenboims-tour-de-force.do

31. Januar Geburtstag auf Reisen

Januar 31, 2010

Standing Ovations gestern in Birmingham. Ein tolles Konzert, nicht nur für die Zuhörer im Saal, sondern dank des Meisters Zugabe von Chopin auch für mich.

Aber der Tag war da noch lange nicht zu Ende: Nach 3-stündiger Anfahrt, Probe und Konzert ging es nun drei Stunden wieder zurück nach London. Und was ist des Paukers liebstes Kind nach einem anstrengenden Tag?!?

… ein Bier!

Ein Kollege feierte an diesem Abend in seinen 50. Geburtstag hinein, so dass ich gegen 0.45 Uhr mein heiß ersehntes Getränk in den Händen hielt… Der interessierte Leser wird sich vielleicht fragen, wo ein Orchestermusiker auf Reisen seinen Geburtstag feiert? Natürlich auf seinem Hotelzimmer! Da geht es dann zu wie im Bienenschwarm: Ein ständiges Kommen und Gehen, lustige Geschichten werden erzählt und natürlich musikalische Darbietungen erbracht – alles improvisiert, aber unkompliziert. Eigentlich das beste Mittel, um ein Orchester für den “Kampf” auf dem Podium zusammenzuschmieden.

Nach einer kurzen Nacht Frühstück um 10.00 Uhr. In einigen Gesichtern erkenne ich die Spuren des letzten Tages und der Nacht. Jetzt nur nicht in den Spiegel schauen und den einzigen Tag ohne Probe am Vormittag ruhig angehen…

Um 14.50 Uhr Feueralarm im Hotel! Ohrenbetäubender Lärm reißt mich von meiner Büroarbeit hoch. Ich laufe aus dem Zimmer und hoffe auf eine Übung – oder ist es vielleicht doch Ernst? Auf der Strasse angekommen, treffe ich einige Kollegen. Unser Konzertmeister kämpft sich zurück auf sein Zimmer, um seine Geige zu retten. Doch es war nur ein Fehlalarm, ausgelöst durch sich an der Glasinnenfront abseilende Fensterputzer.

Na, da haben wir ja nochmal Glück gehabt!

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London – Neugier und Wiedersehen

Januar 30, 2010

London ist eine faszinierende Stadt. Fernweh und Neugier auf die große Unbekannte zogen mich während des Studiums hierher. Ein äußerst intensives Studienjahr wurde daraus. Wieder hier angekommen geht der Puls nach oben, London lockt. Die Lust aufs Unbekannte, gepaart mit Wiedersehensfreude zieht noch immer.

London kann als eine der wichtigsten Städte weltweit bezeichnet werden. Hier muss man sich keine Image-Werbung einfallen lassen. Die Londoner müssen nicht dazu aufgefordert werden, London zu sein. Ihre Stadt ist einfach „reich und sexy“. Die britische und die deutsche Hauptstadt könnten in vielen Punkten nicht gegensätzlicher sein.

Wenn es um Kunst und Kultur, besonders aber um klassische Musik geht, sind die Städte vergleichbar. Mit Hochachtung schaut man von hier auf die deutsche und die Berliner Orchesterlandschaft. Das traditionsreichste Orchester der Stadt mit seinem, den Londonern wohlbekannten doch selten gesehenen Chefdirigenten in vier Konzerten.  Nicht nur für uns, sondern auch für das verwöhnte Londoner Publikum ist es spannend, hier mit einem Konzertzyklus präsent zu sein.

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29.-30.1. Birmingham

Januar 30, 2010

29. Januar

Man ist einerseits aufgeputscht und doch irgendwie gerädert nach so einem Konzert – auch wenn man das nicht so wahrnimmt. Ich bin völlig ausgehungert. Also mache ich mich mit meinen 11 Kollegen auf den Weg  in einen japanischen Nudelladen, unweit unseres Hotels.

Als wir die Rechnung von 203 Pfund bekommen, rechnet sich jeder seinen Teil aus und legt das Geld in eine Schale in der Mitte des Tisches. Diesmal fehlen ganze 10 Pfund. Es ist wie verhext so etwas! Dabei ist es eine ganz einfache Rechnung:

200 Pfund : 11 Kollegen = ca. 19 Pfund. Jeder legt 20 Pfund hin und es fehlen…? 10 Pfund…”normal”, denke ich inzwischen.

Ich denke an den „Boss“… und bin immer wieder erstaunt und begeistert von ihm. Daniel Barenboim ist ständig in Bewegung. Hat dies und das um die Ohren. Ich frage mich, wann er mal die Möglichkeit findet sich auszuruhen, geschweige denn zu üben. Er hat mal wieder grandios gespielt. Inzwischen bin ich mir sicher: Er muss einen oder mehrere Doppelgänger haben. Die teilen sich doch den Job! Einer spielt Klavier, der andere dirigiert und der dritte?…ruht sich aus…

30. Januar

… Der zweite Tag.

Heute heißt es, zumindest für mich, ausschlafen und spät frühstücken. Also mache ich mich, da ich das Frühstück im Hotel verpasst habe, um 12:15 auf den Weg in ein sogenanntes Feinschmecker-Franchise-Restaurant: „Subways“. Ich bestelle mir einen richtig dicken Sandwich.

Um 13:30 geht es nach Birmingham. Auf dem Programm stehen Schönbergs „Verklärte Nacht“ und Beethovens 5. Klavierkonzert. Das letzte Mal war die Kapelle, so glaube ich, 2004 in Birmingham. Ein grandioser Saal, der 1991 von der Queen eingeweiht wurde, mit Platz für 2262 Menschen. Das Innenleben des Saales soll nach einem Modell vom Wiener Musikverein und dem Concertgebouw in Amsterdam entworfen sein.

Bevor ich aber einen der drei Busse, die vor dem Hotel warten, besteige, sehe ich in der Lobby einen Aushang von einem Kollegen, der heute ab 22°° Uhr alle Mitgereisten herzlich zu seiner 50. Geburtstagsfeier einlädt. Toll, denk ich mir. Hat er sich fein ausdacht, wo doch fast alle Kollegen sich zu dieser Zeit auf einer dreistündigen  Busfahrt von Birmingham zurück nach London befinden.

Mein Kollege vom Schlagzeug, der heute frei hat und in London bleibt, meinte nur:

Tja, Augen auf bei der Berufswahl!

Hier gibt es die Bilder zum Artikel!