Posts Tagged ‘England’

Nachschlag London

Februar 11, 2010

Über kaum etwas freut man sich so sehr wie über das Lob eines geschätzten Kollegen! Hier der Text einer SMS von Simon Carrington, dem Solo-Pauker des London Philharmonic Orchestra, der unser Konzert am 31. Januar besucht hatte: „It was a privilege to hear this great orchestra and to see and hear Maestro Barenboim. He played Beethoven’s First Piano Concerto with not only a gorgeous touch but also with endearing humility, treating the orchestra as he chamber music colleagues and frequently playing the role of an accompanist to the orchestra’s soloist in between his wonderful solo passagework. In Pelleas and Melisande there was, despite Schoenberg’s rich orchestration a consistently lucid and warm sound with every individual voice being heard as and when it needed to be. A truly great concert. Thank you!“

Danke, Simon!

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6. Februar – Rückblick auf London: Presseschau (Teil II)

Februar 6, 2010

Nachdem gestern Abend bereits das erste von drei Konzerten im Salle Pleyel in Paris stattgefunden hat, blicken wir noch einmal zurück nach London mit einer kleinen Auswahl der dort erschienenen Kritiken:

http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/classical/reviews/staatskapelle-berlin-barenboim-royal-festival-hall-london-1888208.html

http://www.guardian.co.uk/music/2010/feb/03/berlin-staatskapelle-barenboim-review

http://www.telegraph.co.uk/culture/music/classicalconcertreviews/7147117/Daniel-Barenboim-and-the-Berlin-Staatskapelle-on-Tuesday-night-review.html

http://entertainment.timesonline.co.uk/tol/arts_and_entertainment/music/live_reviews/article7013864.ece

3. Februar – Time to say goodbye

Februar 3, 2010

Es war ein wirklich krönendes Abschlusskonzert gestern Abend in der Royal Festival Hall: Wieder ein ausverkauftes Haus, wieder Standing Ovations (diesmal bereits zur Pause), wieder ein hinreißend musiziertes Beethoven-Klavierkonzert (c-Moll Nr. 3) und dann eine so spannend-unterhaltsame Einführung in Schönbergs Variationen, dass man sich nicht wundern sollte, wenn auf den Straßen in London tatsächlich zukünftig Schönbergs Melodien gesummt und gepfiffen werden! Die Strauß’sche Polka als Zugabe hat die mehr als 2700 Menschen im Saal dann noch buchstäblich zum Tanzen gebracht…

Bevor wir nun heute mit dem EuroStar Richtung Paris aufbrechen (so manche/r sieht der langen Fahrt durch den Tunnel mit Bangen entgegen), wird es Zeit, die Aufmerksamkeit auch einmal auf diejenigen zu lenken, die hier in London alles so wunderbar geplant, organisiert und betreut haben:

Martin Campbell-White, Donagh Collins und Claudia Clarkson von ASKONAS HOLT sowie Marshall Marcus, Elizabeth Menzies und Melanie Wilson vom SOUTHBANK CENTRE / ROYAL FESTIVAL HALL

THANK YOU SO MUCH!!!

1. Februar – Kontaktaufnahme mit dem Publikum

Februar 2, 2010

Eigentlich schade, man spielt vor tausenden von Leuten in unterschiedlichsten Städten und hat doch selten direkten Kontakt mit dem Publikum. Abhilfe können Pre-oder Post-Concert-Lectures mit Gästen schaffen: Eine Art Einführungsvortrag mit Insiderinformationen und besonderen Gästen. In Amerika haben wir teilweise vor mehreren Hundert Zuschauern gesessen, hier in London war es heute eine eher kleine aber feine Runde von vielleicht 80 Zuschauern, die nach dem Konzert noch ins Foyer kamen, wo eine kleine „Talkshow“ mit Staatskapellenmusikern angekündigt war. Nach dem sensationellen vierten Klavierkonzert (selten habe ich solch spontane stehende Ovationen erlebt!) gilt es nun, umzuschalten und sich auf die Vermeidung von Germanisms zu konzentrieren. Im Gegensatz zu meinem Chef, der mühelos von einer zur anderen Sprache wechseln kann (und derer mindestens sechs virtuos beherrscht), dauert es bei mir immer eine Weile, bis ich im Englischen wieder zuhause bin. Doch dank meiner Mitstreiter entwickelt sich schnell ein nettes Gespräch – die Moderatorin macht ihre Sache ganz prima, und Fabian kann nicht nur fantastisch Oboe spielen, sondern ist stets auch ein guter Partner bei Gesprächen. Neben Fragen zu Geschichte und Arbeitsalltag („wie viel haben Sie für den Schönberg heute probiert?“) wird man sehr oft auf den besonderen Klang der Staatskapelle angesprochen. Ein schwer zu konkretisierendes Phänomen, das nur zum Teil damit erklärbar ist, dass viele Kollegen selbst Schüler von Staatskapellenmusikern waren und jetzt wiederum die Spieltradition an die Akademisten weitergeben. Obwohl mit Fabian ein lebendes Beispiel hierfür auf dem Podium sitzt, sind wir uns einig, dass auch Dinge wie gemeinsame Klangvorstellung oder Ideen vom musikalischen Miteinander vor allem vom Chefdirigenten gefördert werden müssen. Mit seinem sehr zitier-tauglichen Bild vom wertvollen antiken Möbel, das man sehr behutsam aufarbeiten muss, trifft da Daniel Barenboim ziemlich ins Schwarze. Auch die Altersstruktur des Publikums ist Gegenstand der Diskussion: Offenkundig hat man sich in London zu diesem Thema schon recht früh Gedanken gemacht und sie so in die Tat umgesetzt, dass wir hier ein erfreulich durchmischtes Publikum aller Altersgruppen haben. Da gibt es in Berlin noch Nachholbedarf, wie man übereinstimmend feststellt. Wie ist der Zugang der Orchestermusiker zu Schönberg, jenem Erfinder der Zwölftonmusik, der selbst davon ausging, dass seine Melodien Ende des 20.Jahrhunderts auf der Straße wie Gassenhauer gepfiffen werden? Wird in Berlin viel neue Musik gespielt? Was ist der Vorteil eines gleichermaßen in Sinfonik wie in Oper beheimateten Orchesters? Wann wurde der Musikkindergarten gegründet und was wird dort gemacht? Zu vielen Punkten könnte man stundenlang erzählen, und die 20 Minuten vergehen wie im Fluge. Ein paar nette Fragesteller belagern uns noch kurz mit Fachlichem, dann geht´s zurück ins Hotel. Moment mal, was habe ich da eben gesummt? Die heute von der Solobratschistin so wunderbar zart gespielte Melodie aus dem zweiten der „fünf Stücke“? Da hat Schönberg am Ende wohl doch recht behalten….

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Das Wetter in London…

Februar 1, 2010

… ist viel besser als sein Ruf! Seit Samstag strahlt uns jeden Morgen die Sonne entgegen und lädt dazu ein, die Zeit zwischen Proben und Konzerten für kleinere und größere Streifzüge durch die Stadt zu nutzen. Hier ein paar Impressionen, fotografiert von Christian Trompler:

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1. Februar – die ersten Kritiken sind da

Februar 1, 2010

Hier koennen Sie lesen, was Guardian, Times und Evening Standard schreiben:

http://www.guardian.co.uk/music/2010/jan/30/berlin-staatskapelle-barenboim-rfh

http://entertainment.timesonline.co.uk/tol/arts_and_entertainment/music/live_reviews/article7009288.ece

http://www.thisislondon.co.uk/music/review-23800979-daniel-barenboims-tour-de-force.do

Die Bratschen OP

Januar 30, 2010

20.30 Uhr, Donnerstag

Klar, dass das passieren musste: Vorgestern im knochentrockenen, sibirischen Berlin bei fast 20 Grad minus, heute im schneelosen Nieselregen Londons – da spielt selbst ein ansonsten zuverlässiges Instrument verrückt. Glück im Unglück: „Mein“ Geigenbauer Peter weilt zufällig gerade in London und kommt zur Hausvisite ins Hotelzimmer. Da er das Instrument gebaut hat und meine Vorlieben gut kennt, ist es eine Sache von nicht einmal einer Stunde, bis der Klang wieder „staatstragend“ ist…gut, dass man im Hotel keine Nachbarn hat! Zur Nachbesprechung geht es ins trendige Ping Pong, wo bereits Peters Maya wartet. Dim Sum satt und viel Spaß bei mehreren Kännchen Sake runden den Abend ab und wir verabreden uns zur Probe. Maya freut sich sehr, sie kennt viele Kollegen und hat in Daniel Barenboims West-Eastern-Divan-Orchestra Bratsche gespielt.

10.00 Uhr, Freitag

Gut erholt und vom Frühstücksbuffet gestärkt gehen wir zur Probe. Daniel Barenboim freut sich sehr, Maya wiederzusehen und akzeptiert ihre Entschuldigung für abgesagte Divan-Arbeitsphasen: Mit Termin im März ist sie unübersehbar hochschwanger. Nachdem das heutige Geburtstagskind, unsere junge Bratschistin Stanislava „Sissi“ Stoykova, traditionsgemäß mit einem Orchestertusch „in Es-Dur“ gefeiert wird, probt Daniel Barenboim wie immer äußerst effizient. Die Tücken des Saals kennt er genau und balanciert die riesig besetzte Staatskapelle in Schönbergs „Pelleas und Melisande“ aus: „7.,8.Horn, Posaune, Tuba, 2.Fagott leiser, Bratschen erste divisi ein bisschen mehr“ usw. Merkwürdigerweise aber wirkt das nicht trocken, er lässt etwas spielen, arbeitet einige Charakteristika mehr heraus, motiviert hier, dämpft dort – nach 40 Minuten kann für das Klavierkonzert umgebaut werden. Zwischenapplaus von den zahlreich erschienenen Probenbesuchern, für die wir uns artig verbeugen. Dann wie immer der doppelte Genuss des sehr kammermusikalischen Klavierkonzerts: Wenn der Pianist Barenboim zaubert und einen auf die Reise mitnimmt, kann man sich selten der Faszination dieser Doppelbegabung entziehen. Höchste Konzentration auf Gesten, Mimik und den Solopart des Maestro, man kennt sich genau und doch wird nichts zur Routine. Begeisterung im Publikum, die Ankündigung „the return oft he master“ ist wohl keine Übertreibung.

12.00 Uhr

Ohne Essen geht es nicht; schnell die Instrumente ins Hotel und sich einer der zahlreichen Gruppen anschließen, die das Notwendige mit dem Angenehmen verbinden und auf kulinarische Entdeckungstour gehen. Geigenbauer Peter ist heute früh in den Eurostar gestiegen, Grund genug, seine Maya auszuführen, die mit einem Geheimtipp schnell bei der Hand ist: „The Cinnamon Club“ erweist sich als Volltreffer mit gediegenem Ambiente und unglaublich guter Küche. Bezahlbar ist es mittags auch, und wir genießen das Dreigangmenu in der ehemaligen Bibliothek in vollen Zügen. Auf dem Rückweg schauen wir uns noch Chinatown an und legen eine Gedenkminute vor einem anderen Restaurant ein: 2003 mussten wir in London für zwei Tage einen Hornisten zurücklassen, der nach dem Genuss exotischer Fischgerichte prägende Erfahrungen mit dem britischen Gesundheitssystem machen konnte.

„You can´t get a ticket for love or money“

Januar 29, 2010

London fiebert den vier Konzerten von Daniel Barenboim und der Staatskapelle Berlin in der Royal Festival Hall entgegen. Die Erwartungen könnten nicht höher sein, meldet The Observer vor dem ersten von vier Konzerten von Daniel Barenboim und der Staatskapelle Berlin in der 2.923 Zuschauer fassenden Londoner Royal Festival Hall. Sämtliche Tickets waren nach Vor­verkaufs­start im September letzten Jahres innerhalb von wenigen Stunden ver­griffen. Die Londoner Times stellt fest: „You can´t get a ticket for love or money“. Der Daily Telegraph von Donnerstag notiert: “Es wäre nur unwesentlich schwieriger einen Platz zu ergattern, wenn Beethoven selbst der Solist wäre“. Die Veranstalter an der South Bank übertragen deshalb die vier Konzerte für alle Musik­freunde ohne Eintrittskarte zusätzlich auf eine Leinwand in den großen Ball­saal der Festival Hall.

29. Januar – Probe Royal Festival Hall

Januar 29, 2010


Sehen Sie hier die Bilder von den Proben

Nicht nur auf, sondern auch neben und hinter der Bühne wird fleißig gearbeitet…

Wie, bitte, geht’s nach England? [Teil 2]

Januar 27, 2010

[…Fortsetzung]
Es würde zu weit führen, hier all das aufzuzählen, was wir unternommen haben, um Antworten auf diese Fragen zu finden. Irgendwann hatten wir sie, aber leider fielen sie unterschiedlich aus! Es war wie in der Medizin: drei Ärzte, drei Diagnosen. Braucht eine neuseeländische Staatsbürgerin ein Visum für England? Ja. Nein. Vielleicht.
„Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“, dachten wir irgendwann und entschieden uns, zumindest für drei (Nicht-EU-)Mitglieder der Staatskapelle ein Visum zu beantragen – sozusagen auf Verdacht. Wir hatten die Qual der Wahl zwischen ca. 30 unterschiedlichen Antragstypen und noch einmal ungefähr halb so vielen ergänzenden Anhängen und entschieden uns schließlich für den, der uns am wenigstens abwegig erschien. Da Papier aber bekanntlich geduldig ist, war es mit den Anträgen allein natürlich nicht getan. Fingerabdrücke mussten her, und die konnten wir nicht stellvertretend für die Musiker abgeben. Also galt es, einen persönlichen Termin für jeden der drei Antragssteller im sogenannten Visa Application Centre der Firma Worldbridge zu vereinbaren. Wir hatten gleich doppelt Glück: Erstens gibt es ein solches inzwischen auch in Berlin (bis vor kurzem musste man noch nach Düsseldorf reisen) und zweitens bekamen wir per Internet sogar kurzfristig Termine!
Die Dame am Empfang, die unsere Anträge entgegennahm, erklärte uns nach einem kurzen Blick darauf, es seien die falschen. Trotz dieses Dämpfers zur Begrüßung waren wir glücklich, endlich einmal mit einem offiziell autorisierten Worldbridge-Mitarbeiter reden zu können, und fragten unverzagt nach, welcher Antrag denn dann der richtige wäre. Da habe sie leider absolut keine Ahnung, schließlich sei sie hier lediglich die Annahme- und keine Beratungsstelle. Wir wussten nicht, ob wir weinen oder lachen sollten und entschlossen uns vorerst gegen beides. Ganz offensichtlich war das die richtige Entscheidung, denn plötzlich gerieten die Dinge in Bewegung. Man ließ uns und unsere falschen Anträge (ganz zu schweigen von den fehlenden Anhängen) zum Sachbearbeiter vor und auf einmal war alles ganz einfach: Die Anträge waren doch nicht so verkehrt, die Anhänge durften vor Ort ergänzt werden und dank der ahnungsvoll mitgebrachten Kontoauszüge der letzten drei Monate glaubte man unseren Musikern sogar, dass sie auch im Fall der Fälle nicht auf die königlich-britische Wohlfahrt angewiesen sein würden. Nach einer weiteren bangen Woche kam die erlösende Nachricht: Alle drei Visa sind erteilt! Es kann also losgehen…