Die Karawane zieht weiter…

by

Erst allmählich setzt sich der Gedanke im Gehirn fest: Zum ersten Mal geben wir wie zu feudalen Zeiten ein „Privatkonzert“. Aber nicht etwa im kleinen Rahmen. Nein, gleich die ganze Staatskapelle wurde vom Herrscher des Emirats Katar eingeladen, um einen Abend musikalisch zu gestalten. Ich fühlte mich an den Klassiker „Asterix und Cleopatra“ erinnert, in welchem ein „intimes Abendessen für die Pharaonin mit nur vierzig Musikern und dreihundert Gästen“ anberaumt wurde.

Wie auch sonst die Maßstäbe des Möglichen sich mit einem Besuch am Persischen Golf deutlich verändern – gigantische Bauensembles (unter anderem ein „Cultural Village“ von den Ausmaßen einer Kleinstadt) und sogar ganze Inseln werden erschaffen, und überhaupt herrscht hier ein komplett anderes Verhältnis zu materiellen Dingen.

Aber zurück zum Kern: es kommt alles anders. Die bedrückenden Bilder aus Ägypten sind auf jedem Bildschirm zu sehen und vor diesem Hintergrund ist für den Emir ein unbeschwertes Auftreten in der Öffentlichkeit undenkbar. Also wird kurzerhand (sechs Stunden vor dem ersten Ton) komplett umgeplant und aus dem Privatkonzert wird ein öffentliches, es rollt ein ganzes Fernsehstudio an, um den Abend in der „katarischen ARD“ live zu senden. Spontanität ist erfrischend und hat auf dieser trockenen Halbinsel eben auch die monetären Voraussetzungen, um sich entfalten zu können.

Während der Aufführung rufen sich Berichte über die Konzertmatineen des 19. Jahrhunderts in Erinnerung. Es herrscht unbefangenes Kommen und Gehen, die mobile Kommunikation erlahmt nie und in der Loge der Regierenden wird deutlich gezeigt, dass die Arbeit zum Wohle des Volkes keine Pause erlaubt. Dagegen wirken die Töne des Krönungskonzertes von Mozart stellenweise etwas schüchtern. Dies ändert sich jedoch nach der Pause – eine kurze, so charmante wie deutliche Bitte des Maestros, gepaart mit der bezwingenden dynamischen Breite der 5. Sinfonie von Tschaikowsky lassen das Auditorium im nagelneuen Opernhaus (bei dessen Innenausstattung sogar an Getränkehalter in den Zuschauersitzen gedacht wurde) in teils atemloser Stille verharren.

Nach zwei Zugaben werden wir in den „winterlich“ warmen Abend entlassen und da sind sie wieder, die Gerüche Arabiens in Gestalt vieler verschiedener Gerichte, die sich in einem ägyptischen Restaurant in unübersehbarer Anzahl auf den Tischen stapeln. Der vermeintliche Mangel an Alkohol fällt dabei wieder überhaupt nicht ins Gewicht.

Naja, und morgen zieht die Karawane weiter…

Christian Batzdorf

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: