Zum Abschluss der Saison: Die Staatskapelle Berlin in Spanien

by

„0:20, 32 Grad Celsius“ sagt die Anzeige an der Gran Via: Madrid ist selbst nach Mitternacht noch ein heißes Pflaster. Sommer“frische“ hieße übertreiben…

Wie schon vor gut 14 Tagen in der Berliner Philharmonie wurde Bruckners „Fünfte“ gestern Abend auch im Auditiorio Nacional in Madrid mit frenetischem Applaus gefeiert. Mit Spannung geht es nun auf die „Sechste“ zu, die heute pikanterweise mit dem Halbfinalspiel Spanien-Deutschland konkurriert. In Deutschland hätte man Angst, dass in so einem Fall niemand zum Konzert kommt. Doch hier haben wir schon auf dem Weg vom Flughafen die Landesfarben an bewimpelten Hauptstadt-Autos „vermisst“, die einem in Berlin als unverkrampfter(?) Umgang mit farbenfrohen Nationalsymbolen schon zur Gewohnheit geworden sind. Aber vielleicht sind wir Deutschen eben auch beim Feiern besonders gründlich…

Jedenfalls ist in Madrid von Fußballfieber kaum etwas zu spüren, wenn man zwischen Probe und Konzert durch die Einkaufsstraßen stromert. Dabei kommen wir an unserem alten „Stammhotel“, dem Emparador, vorbei – Schauplatz für unzählige Orchester-Legenden, war die Kapelle doch mit mehreren Wagner- und Strauss-Opern als Sommerresidenz viele Jahre im Teatro Real zu Gast. Man fühlt sich zuhause, hat herrliche Stammkneipen und -bars und vermisst im neuen Hotel nur den Swimming-Pool auf dem Hoteldach (der mehr oder weniger legal in so mancher Nacht über riskante Schleichwege frequentiert wurde).

Entspannt auch die Probenatmosphäre: Ein nach dem „Bruckner-Marathon“ in Berlin, der anschließenden Kurztournee mit den Chopin-Klavierkonzerten und vor allem angesichts der argentinischen 0:4 Niederlage erstaunlich lockerer Daniel Barenboim arbeitet intensiv, ökonomisch – und humorvoll: „Haben Sie keine Angst vor dem Einsatz: Die argentinische Mannschaft hat auch Angst gehabt, und dann ging es daneben“.

Nachdem vor der Probe noch das Schlafdefizit der Ankunftsnacht mit perfekt ausgerichteter Pausengastronomie ausgeglichen werden musste, entsteht am Abend doch ein gewisser Sportsgeist in den Umkleiden:

Entsprechend inspiriert trotz hoher Temperatur dann das Konzert. Begeisterung beim Publikum. Es scheint, als ob wir mit unserer jahrelangen Wagner-Pflege hier eine gute Basis für die „schwere Kost“ der für so manchen überlangen Bruckner-Sinfonien geschaffen haben. Markanter Unterschied zum nordeuropäischen Publikum und willkommenes Lokalkolorit sind die zahlreichen Fächer, mit denen sich elegante spanische Damen Erfrischung verschaffen – olé !

Wolfgang Hinzpeter

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: