Posts Tagged ‘Schönberg’

Abschied

Februar 8, 2010

Die Abreise steht kurz bevor: Nur noch dieses letzte Konzert im Salle Pleyel in Paris.

Gestern hatten wir Beethovens Klavierkonzerte Nr. 2 und 3 auf dem Programm. Zwei der “Brüder” (Mutmaßung im Artikel Birmingham) hatten an diesem Abend um die Wette gespielt. Einen Sieger gab es mal wieder nicht. Sie haben beide wirklich phantastisch gespielt. Der dritte Bruder hat dann Schönbergs Variationen dirigiert. Selbstverständlich auswendig! Und die Franzosen? Haben getobt!

Am letzten Abend geht es meist drunter und drüber. Diesmal musste es aber am vorletzten Tag sein, da heute das Konzert schon um 16 Uhr stattfand, weil wir anschließend mit den Bussen zum Flughafen gebracht werden sollten, um gen Heimat zu fliegen. Kollegen trafen sich noch entweder im Restaurant, an der Bar im Hotel oder gaben eine Zimmerparty.

Zwischen Anspielprobe und Konzert hatte heute der Boss die Kapelle zu einem Buffet eingeladen. Diese großzügige Geste kennen wir von ihm bereits von anderen Reisen, und wenn mehr Zeit zur Verfügung steht als heute geht es dann sogar häufig in ein landestypisches Restaurant. Und das bei ca. 120 Personen!!

Bis auf die „Umkleidemöglichkeit“ im Salle Pleyel, war die Reise im Großen und Ganzen wirklich sehr schön. Zwei wundervolle Städte, die auch kein arktisches Klima wie unsere Heimatstadt aufwiesen. Die Reise hatte auch diesmal eine angenehme Länge. Nicht zu lang und doch lange genug, um was von der Stadt und der Kultur mitzubekommen.

Wir bedanken uns für die rege Anteilnahme unserer Leser, die uns immer wieder nette Kommentare geschrieben haben, um uns zu zeigen, daß wir nicht umsonst unsere Begeisterung in (fast) tägliche Berichte verfassten!

Hier sehen Sie alle Bilder aus Paris!

1. Februar – Kontaktaufnahme mit dem Publikum

Februar 2, 2010

Eigentlich schade, man spielt vor tausenden von Leuten in unterschiedlichsten Städten und hat doch selten direkten Kontakt mit dem Publikum. Abhilfe können Pre-oder Post-Concert-Lectures mit Gästen schaffen: Eine Art Einführungsvortrag mit Insiderinformationen und besonderen Gästen. In Amerika haben wir teilweise vor mehreren Hundert Zuschauern gesessen, hier in London war es heute eine eher kleine aber feine Runde von vielleicht 80 Zuschauern, die nach dem Konzert noch ins Foyer kamen, wo eine kleine „Talkshow“ mit Staatskapellenmusikern angekündigt war. Nach dem sensationellen vierten Klavierkonzert (selten habe ich solch spontane stehende Ovationen erlebt!) gilt es nun, umzuschalten und sich auf die Vermeidung von Germanisms zu konzentrieren. Im Gegensatz zu meinem Chef, der mühelos von einer zur anderen Sprache wechseln kann (und derer mindestens sechs virtuos beherrscht), dauert es bei mir immer eine Weile, bis ich im Englischen wieder zuhause bin. Doch dank meiner Mitstreiter entwickelt sich schnell ein nettes Gespräch – die Moderatorin macht ihre Sache ganz prima, und Fabian kann nicht nur fantastisch Oboe spielen, sondern ist stets auch ein guter Partner bei Gesprächen. Neben Fragen zu Geschichte und Arbeitsalltag („wie viel haben Sie für den Schönberg heute probiert?“) wird man sehr oft auf den besonderen Klang der Staatskapelle angesprochen. Ein schwer zu konkretisierendes Phänomen, das nur zum Teil damit erklärbar ist, dass viele Kollegen selbst Schüler von Staatskapellenmusikern waren und jetzt wiederum die Spieltradition an die Akademisten weitergeben. Obwohl mit Fabian ein lebendes Beispiel hierfür auf dem Podium sitzt, sind wir uns einig, dass auch Dinge wie gemeinsame Klangvorstellung oder Ideen vom musikalischen Miteinander vor allem vom Chefdirigenten gefördert werden müssen. Mit seinem sehr zitier-tauglichen Bild vom wertvollen antiken Möbel, das man sehr behutsam aufarbeiten muss, trifft da Daniel Barenboim ziemlich ins Schwarze. Auch die Altersstruktur des Publikums ist Gegenstand der Diskussion: Offenkundig hat man sich in London zu diesem Thema schon recht früh Gedanken gemacht und sie so in die Tat umgesetzt, dass wir hier ein erfreulich durchmischtes Publikum aller Altersgruppen haben. Da gibt es in Berlin noch Nachholbedarf, wie man übereinstimmend feststellt. Wie ist der Zugang der Orchestermusiker zu Schönberg, jenem Erfinder der Zwölftonmusik, der selbst davon ausging, dass seine Melodien Ende des 20.Jahrhunderts auf der Straße wie Gassenhauer gepfiffen werden? Wird in Berlin viel neue Musik gespielt? Was ist der Vorteil eines gleichermaßen in Sinfonik wie in Oper beheimateten Orchesters? Wann wurde der Musikkindergarten gegründet und was wird dort gemacht? Zu vielen Punkten könnte man stundenlang erzählen, und die 20 Minuten vergehen wie im Fluge. Ein paar nette Fragesteller belagern uns noch kurz mit Fachlichem, dann geht´s zurück ins Hotel. Moment mal, was habe ich da eben gesummt? Die heute von der Solobratschistin so wunderbar zart gespielte Melodie aus dem zweiten der „fünf Stücke“? Da hat Schönberg am Ende wohl doch recht behalten….

Für mehr Bilder klicken Sie hier!

1. Februar – die ersten Kritiken sind da

Februar 1, 2010

Hier koennen Sie lesen, was Guardian, Times und Evening Standard schreiben:

http://www.guardian.co.uk/music/2010/jan/30/berlin-staatskapelle-barenboim-rfh

http://entertainment.timesonline.co.uk/tol/arts_and_entertainment/music/live_reviews/article7009288.ece

http://www.thisislondon.co.uk/music/review-23800979-daniel-barenboims-tour-de-force.do

Daniel Barenboim about the program

Januar 26, 2010

One might ask why Beethoven and Schönberg should be performed on the same program. Both produced great masterpieces; Beethoven’s works have enriched the lives of millions of people for the last 200 years and Schönberg is well on his way to becoming one of the most accepted 20th century composers. Yet their significance goes beyond even the quality of the masterpieces they bequeathed us: both Beethoven and Schönberg are veritable structural pillars in the historical development of music. Only a handful of composers in the history of classical music have had the capacity to summarize and even culminate the development of an entire era of composition, while at the same time pointing the way toward a radically different new paradigm or style, and Beethoven and Schönberg are undoubtedly among these few.


(c) Sheila Rock

Beethoven’s early period is characterized by the development of the existing idioms of Haydn and Mozart, just as Schönberg’s first period is marked by his two greatest influences, the unlikely bedfellows Brahms and Wagner. In Schönberg’s time, Brahms and Wagner had been considered antipodes with few followers in common, but Schönberg ingeniously married Brahms’s structural complexity and Wagner’s harmonic language in his early hyper-romantic works. The middle periods of both Beethoven and Schönberg reveal their own distinctive style, now independent of earlier influences. Beethoven’s middle period takes him into greater clarity and dramatic expression; Schönberg’s ambiguity gradually grows into the twelve-tone system.

Perhaps most fascinating are the late periods: Beethoven’s movement toward ever further disconnection and disintegration, and Schönberg’s “emancipation of the dissonance” in which he establishes the equality of all twelve tones. Beethoven in his late years arrived at extremes of expression; in the piano sonatas these are manifested quite literally by stretching the voices to opposite ends of the keyboard. One could say that he reached a philosophy of discomfort. Beethoven and Schönberg were both concerned with the transformation of musical material, as in Beethoven’s Diabelli Variations (originally Veränderungen, transformations) or in Schönberg’s Variations for Orchestra.

The radical changes in these late periods were to have lasting, irrevocable consequences for the future of composition, and this is what makes their absolute value different from other composers. A composer like Mendelssohn left us no shortage of masterpieces, but his contribution to music did not alter the course of events in any way. Beethoven and Schönberg, on the other hand, have left audible fingerprints on the scores of all their successors, and will most likely continue to do so for as long as music is being written.


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